"Wie kommt es, dass jede Hinrichtung uns mehr beleidigt als ein Mord? Es ist die Kälte der Richter, die peinliche Vorbereitung, die Einsicht, dass hier ein Mensch als Mittel benutzt wird, um andere abzuschrecken. Denn die Schuld wird nicht bestraft, selbst wenn es eine gäbe: Diese liegt in Erziehern, Eltern, Umgebungen, in uns, nicht im Mörder "
Nietzsche
Ich halte die Todesstrafe für eines der größten Verbrechen, derer sich ein Staat, eine Nation oder ein Volk schuldig machen kann. Das Recht auf Leben ist elementar- und kann nicht verwirkt werden- auch nicht bei schwersten kriminellen Handlungen.
Es ist ein Widerspruch in sich, einerseits das Gebot "Du sollst nicht töten" als wichtige und notwendige Grundregel des menschlichen Zusammenlebens zu erkennen- und andererseits diese Grundnorm im Rahmen einer staatlichen Sanktion in aller Selbstverständlichkeit zu verletzen!
Wohlgemerkt: es geht nicht darum, dass Leid der Opfer oder die Schwere von kapitalen Straftaten schmälern zu wollen. Die Angehörigen der Opfer durchleiden Furchtbares- und haben ein Recht darauf, in bester und qualifiziertester Weise in ihrer Trauer begleitet zu werden. Doch die Ermordung des Täters im Rahmen des "Auge-umAuge-Prinzipes" kann und darf nicht das Mittel der Wahl sein, um eine Schein-Gerechtigleit herzustellen...
Wir dürfen nicht zusehen, wie die Todesmaschinerie in den USA in aller Selbstverständlichkeit so zügig wie nie zuvor im Gange ist.
Zum jetzigen Zeitpunkt, dem 26. September 2008 wurden in diesem Jahr bereits 24 Menschen getötet- und die Liste der geplanten Exekutionen umfasst für dieses laufende Jahr weitere 17 Hinrichtungen.
Bitte lest die Texte von Gene Hathorn!! Er lebt nunmehr seit 24 Jahren im texanischen Todestrakt- und weiß besser als jeder andere wovon er schreibt!
Engagiert Euch, bezieht Stellung und verschließt nicht die Augen!
Wie kommt es, dass die Todesstrafe so teuer ist?
Rechtskosten: So gut wie kein
Angeklagter in einem Todesstrafenfall kann sich einen eigenen Anwalt leisten.
Der jeweilige Bundesstaat ist verpflichtet, ihm zwei Pflichtverteidiger
zuzuteilen, darüber hinaus muss der Staat auch die Kosten für die Anklageseite
tragen.
Kosten vor Prozessbeginn: Kapitalstrafsachen sind weitaus komplexer als
andere Fälle. Häufig müssen zu kriminaltechnischen Beweisen, zur
Zurechnungsfähigkeit oder zum persönlichen Hintergrund des Angeklagten
Sachverständige zu Rate gezogen werden.
Auswahl der Geschworenen: Aufgrund der im Raum stehenden Todesstrafe ist
die Auswahl der Geschworenen für Kapitalstrafverfahren deutlich zeitaufwändiger
und teurer.
Strafverfahren: Todesstrafenprozesse können mehr als viermal länger
dauern, was sich über die Kosten für Gerichtsbedienstete sowie sonstige damit
verbundene Kosten hinaus entsprechend auch auf die Aufwandsentschädigungen für
Geschworene und Anwälte auswirkt.
Haft: In den meisten Fällen bedeutet Todestrakt Einzelhaft in einer
speziellen Einrichtung. Dort bestehen höhere Anforderungen an Sicherheit u.ä.m.,
da die Häftlinge 23 Stunden des Tages weggesperrt in ihrer Zelle verbringen.
Berufungen: Jeder Häftling hat Anspruch auf eine Reihe von Berufungen, um
die Gefahr von Fehlern möglichst gering zu halten. Die anfallenden Kosten gehen
zu Lasten der Steuerzahler. Diese Berufungen sind unerlässlich, da im Falle
einiger Häftlinge nur wenige Stunden vor der Urteilsvollstreckung Beweise
auftauchten, die den Nachweis ihrer Unschuld erbrachten.
Konkrete Beispiele aus Studien
Kansas
Fälle, in denen die Todesstrafe nicht beantragt wurde, kosten $740.000,
Fälle, in denen sie gefordert wird, können hingegen $1,26 Millionen
kosten.
Kalifornien
Je Todestrakthäftling entstehen Mehrkosten von jährlich $175.000 gegenüber
dem normalen Strafvollzug. In Kalifornien befinden sich 678 Verurteilte im
Todestrakt.
Maryland
Die Kosten für einen Mordfall ohne beantragte Todesstrafe belaufen sich auf
$1,1 Millionen (davon$870.000 für die Haft, $250.000 für den Prozess), während
die Kosten für einen Todesstrafenfall $3 Millionen betragen (Haft $1,3
Millionen, Prozess $1,7 Millionen).
(Quelle: Death
Penalty Information Center)
Fragen an die Todesstrafenbefürworter!!!
Viele Diskussionen mit
Todesstrafenbefürwortern liegen hinter mir. Gelernt habe ich, dass die Frage, ob
ein ein Mensch der einem anderen das
Leben nimmt sein eigenes Lebensrecht verwirkt hat wohl jeder mit seinem eigenen
Erfahrungshintergrund, seinem persönlichen Menschenbild und seiner ureigenen
Ethik beantworten muss. Hier ist es fast nicht möglich, ein gegenseitiges
Verständnis zu erreichen.
Was ich allerdings wirklich spannend finde ist die
Frage der konkreten Umsetzung der Todesstrafe. genau hier stellen sich nämlich
die Problematiken, die meiner Meinung nach gerade von Todesstrafenbefürwortern
sehr klar, klug und einwandfrei beantwortet werden müssten, um ihren Standpunkt
über ein Biertisch-Niveau hinaus zu legitimieren.
Also, meine Fragen hierzu:
1. Wie steht ihr zu dem Umstand, dass jede Kultur ganz
eigene Vorstellungen von Recht, Unrecht und der Schwere einer Straftat hat.
Vorausgesetzt es gäbe weltweit die Todesstrafe- wäre es für euch akzeptabel dass
in anderen Ländern die Todesstrafe für ganz andere Vergehen verhängt würde als
z.B. in Eurem Kulturkreis? Wenn nein- wie denkt Ihr wäre das zu verhindern? Wer
sollte über die Schwere einer Straftat und die Begründung einer Todesstrafe
weltweit entscheiden?
2. Verbunden mit dieser Frage ist die Frage nach
politisch totalitären Systemen, in deren Hand dann ja auch die Entscheidung über
Leben und Tod liegt.Seht Ihr die Gefahr des Mißbrauches? Was würdet Ihr dagegen
unternehmen?
3.Welche Ideen habt ihr zum Thema Fehlurteile-
angesichts der Tatsache, dass ein Todesurteil nicht zu revidieren ist. Wie
sollte in solchen Fällen die Wiedergutmachung für die Angehörigen aussehen?
4. Sollte jeder Mord mit der Todesstrafe gesühnt
werden, (nach dem Motto "Auge um Auge")- oder nur besonders grausame Morde?
5. Wer sollte festlegen, welche Morde die Todesstrafe
verdienen? Was würdet Ihr zugrunde legen?
6. Sollten Laien darüber entscheiden, Psychologen,
Rechtsexperten,oder die Angehörigen der Opfer?
7. Wer käme für die Todeststrafe in Frage? Nur Menschen
über 18 Jahre,auch geistig behinderte Menschen? Was wäre mit geistig
eingeschränkten Menschen?
Viele Fragen- und ich bin gespannt auf Eure Antworten!!!
Die vom obersten Gerichtshof
angeordnete "Überprüfung" der möglichen Grausamkeit der lethalen Injektion
impliziert die Idee, dass es humane Hinrichtungen gibt- und das ist eine
verschleiernde Illusion, die da erweckt werden soll.
Jede Exekution ist eine unvorstellbare
Grausamkeit- unabhängig
von eventuell verursachten körperlichen Schmerzen.
Jede Exekution ist ist ein blutrünstiges, von einem
Vergeltungsgedanken getriebenes staatliches Verbrechen.
Mit der lethalen Injektion bemüht sich die USA den
optischen Eindruck eines "medizinischen Eingriffes" zu erwecken- aber es bleibt
was es ist- der geplante, kalte Mord eines Menschen.
Ich bin froh für jeden Mord-Aufschub weil die
Grausamkeit der lethalen Injektion im Raume steht.
Aber ich bin entsetzt über diese subtile Unterstellung,
dass irgendeine Hinrichtungsart nicht grausam sein könnte...
Ob Menschen mit der Giftspritze oder der Guillotine
ermordet werden macht vielleicht nur den Vorgang des brutalen Abschlachtens
deutlicher.
Einführung der Guillotine?
Gar nicht so schlecht…
Ich könnte mir vorstellen dass viele bisher an der Todesstrafe in den USA desinteressierte
Menschen plötzlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und in Bewegung
geraten würden, wenn wieder
mit mittelalterlichen Methoden getötet würde. Dabei spielt es letztlich keine
Rolle, ob viel Blut fließt oder alles steril und sauber aussieht...
Gut wenn mittlerweile 2 Menschen noch leben,
die laut texanischem Schlachtplan tot sein müssten - und um so furchtbarer dass
wieder nicht das grundsätzliche
Recht zu töten in Frage gestellt wird.
P.S. Herr Chapmann befindet sich mit seinem Ruf nach der Guillotine
in illustrer Gesellschaft.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden etwa 30.000 Menschen guillotiniert. In Berlin-Plötzensee im Jahre 1943 sogar 186 Menschen in einer einzigen Nacht.
TODESSTRAFE:
Die Welt
entscheidet!
Die UN-Generalversammlung wird in diesem Herbst über einen sofortigen weltweiten
Hinrichtungsstopp abstimmen. Am 9. Oktober, dem Vortag des
Internationalen Tags gegen die Todesstrafe,
wird amnesty international mit einer öffentlichen Aktion vor dem Brandenburger
Tor die UN-Mitgliedsstaaten zur Annahme der Resolution aufrufen.
Bitte beteilige Dich an der globalen Petition für einen weltweiten
Hinrichtungsstopp:
http://www.amnesty-todesstrafe.de/petition.php?id=145
Wer
zufällig am 27. Oktober in Texas ist...
Zum Thema...
Ich möchte keine Freundschaft mit
einem mehrfachen Mörder.
Ich möchte für manche Straftaten kein Verständnis aufbringen.
Mein tiefes Mitgefühl gilt allen Angehörigen von ermordeten Menschen
Ich empfinde keine Sympatie für Gewalttäter.
Ich glaube nicht, dass ausschließlich durch das Leben in einem
menschenunwürdigen Todestrakt eine Wandlung vom Saulus zum Paulus stattfindet.
Ich glaube nicht, dass überwiegend zu völligem Unrecht verurteilte Menschen im
Todestrakt sitzen
Ich denke es gibt Handlungen, die die Gesellschaft nicht verzeihen kann
Ich denke es gibt Menschen, vor denen muss die Gesellschaft geschützt werden.
Aber:
ich halte die Todesstrafe für eines der größten Verbrechen, dass ein Staat
im Namen seines Volkes begehen kann.
Ich denke dass die Todesstrafe losgelöst von der Straftat zu sehen ist- und
nichts anderes als Mord ist. Mord, zu dem kein Mensch das Recht hat und der der
tiefste Verstoß gegen alle Grundlagen der Menschenrechte ist.
Die Todesstrafe schafft neue unschuldige Opfer-nämlich die
Familien der Exekutierten, die mit der
Straftat nichts zu tun hatten und dem gleichen Trauma ausgesetzt werden wie die
Familien der Opfer des Hingerichteten.
Die Todesstrafe widerspricht sich in sich- ich kann nicht Mord zum
grausamsten Verbrechen der Menschheit erklären- und es dann selbst tun.
Es gibt unzählige Berichte darüber, dass der Gedanke, dass
die Hinrichtung den Schmerz der Opferfamilien lindert nicht stimmt- und
mittlerweile sogar viele Antitodesstrafenbewegungen in Amerika, die von
Familien von ermordeten
Menschen unterstützt werden.
Staaten mit Todesstrafe haben keine niedrigere Verbrechensrate- was den
Abschreckungsgedanken außer Kraft setzt.
Es gibt einen früheren Gouverneur , Herr Ryan aus illinois, der am Ende
seiner Amtszeit alle 167 zum Tode verurteilten Menschen begnadigte, weil er deutlichst sagte, dass das Todesstrafensystem in Amerika marode und kaputt und
untragbar ist. Und wer sollte das besser wissen als ein Staatsmann, der selbst
viele Jahre in diesem System eine tragende Person war.
Amerikanische Staatsanwälte benötigen in Amerika eine bestimmte Anzahl an
"Kapitalverbrechen" um eine Beförderung zu
erreichen- dies führt zu einem Interesse der Staatsanwälte, möglichst hohe
Strafen zu erreichen. Im Ernstfall bedeutet das, das die Ambitionen eines
Staatsanwaltes mit dem Leben eines Menschen bezahlt werden....
Die Todesstrafe ist grausam, mittelalterlich und eine grundlegende
Menschenrechtsverletzung. Um dies festzustellen bedarf es keines Symphatisantentums mit
Tätern oder der Ignoranz all des
Leides, das durch Gewaltverbrechen angerichtet wird.
Es bedarf nur eines politischen Denkens, das einklagt ,dass die Macht des
Staates beim Leben seiner Bürger zu enden hat!!!
Ute

Menschen
bei einem Treffen im Rahmen des Projektes:
"No Silence, No Shame"
in Austin, 27. Oktober 2005
"Die Familien der Hingerichteten sind die unsichtbaren Opfer der Todesstrafe"
Keine Hinrichtungen mehr in Texas
Der texanische Gouverneur Perry hatte vor allem die Kritik aus Europa deutlich zurückgewiesen. Dies sei keine Angelegenheit der EU. «Wir respektieren die Freunde in Europa, begrüßen ihr Interesse an unserem Bundesstaat und unseren Gesetzen.» Doch die Texaner hätten vor langer Zeit entschieden, dass die Todesstrafe ein angemessener Mittel sei, um schreckliche Verbrechen an Bürgern zu bestrafen. Daran werde sich auch nichts ändern.
Trotzdem:
Bitte schreibt dem Gouverneur:
Office of the Governor
P.O. Box 12428
Austin, Texas 78711-2428
Geht auf seine webside und schickt eine Email:
www.governor.state.tx.us/contact
Ruft die hotline des Gouverneurs an:
1-800-252-9600
Mister Perry und seine Courage...
Ein Beispiel.....
"... falls Sie Texas erlauben, die Hinrichtung
auszuführen, möchte ich Sie
einladen, der Hinrichtung gemeinsam mit mir beizuwohnen, denn in diesem Fall
benötige ich Ihre Unterstützung. Ich brauche eine Schulter, an die ich mich
lehnen kann und jemanden, der mir erklärt, dass es das Richtige ist, meinen
Ehemann zu ermorden." - Garys Etheridge's Frau Claudia in einem Brief an den
Gouverneur
Rick Perry - 17. Mai 2002.
CCADPs Tracy Lamourie fügt hinzu, "Etheridges Einladung
bedeutet für den
Gouverneur die einmalige Gelegenheit, entweder den Mut zu haben, zu seinen
Idealen zu stehen, die augenscheinlich das Nehmen eines Lebens beinhaltet
oder der internationalen Gemeinde zu zeigen, wie wenig Gedanken er sich über
die Ausmaße der Ereignisse macht, sollte er die Einladung ignorieren."
Herr Perry folgte der Einladung zu der von ihm veranlassten Ermordung nicht!