Als Abschlussarbeit meiner 2 jährigen Zusatzausbildung beschrieb ich mein "Herzblut- Projekt"- die Installation einer Schülervertretung an unserer Schule.
Bis heute haben wir diese funktionierende SV- und ich bin sehr stolz auf die völlig engagiert mitarbeitenden Klassensprecher!!!!Es hat mir wieder einmal gezeigt, wieviel Potential in unseren Schülern steckt- wir müssen nur Mut machen, es auch auszuschöpfen!
1.1 Persönlicher Erfahrungshintergrund
2.3 Die Drei Werte-Basis des Empowerment- Ansatzes
2.5 Konsequenzen für Schule und Unterricht
3.3 Meine Planung des Faches „Soziales Lernen“
4. Die praktische Hinführung der Schüler auf die bevorstehenden Wahlen
7.1 Empowerment und Schulalltag
7.2.2 Sozial- emotionaler Bereich
7.3 Die pädagogische Begleitung
8.1 Vermehrte Einbindung und Transparenz für die Gesamtschülerschaft
8.3 Ausweitung der demokratischen Gremien und deren Kompetenzen
Für mich haben sich im Rahmen meiner schulischen Tätigkeit, aber auch in meiner langjährigen Tätigkeit in der Arbeit mit erwachsenen Menschen mit „geistiger Behinderung“ unter anderem folgende Beobachtungen herauskristallisiert:
Diese Beobachtungen führten mich zu einem sich immer klarer herausbildenden Arbeitsschwerpunkt: täglich mit den mir anvertrauten Schülern[1] angemessene, alters- und kompetenzadäquate Formen der Selbstbestimmung und Strategien zur Konfliktlösung zu erarbeiten.
Dies findet sicherlich zu einem großen Teil in dem von uns gemeinsam gelebten Schulalltag statt. Darüber hinaus jedoch sollte die Schule Lernfelder zur Verfügung stellen, in denen Selbstbestimmung als unterrichtliches Lernziel umgesetzt und ermöglicht wird.
Die Einrichtung einer Schülervertretung stellt hierzu, genauso wie bei nichtbehinderten Schülern, eine wertvolles Instrument dar.
Da letzteres bislang an der Schule nicht verwirklicht wurde, engagierte ich mich gemeinsam mit zwei interessierten Kollegen, die hierin genauso wie ich eine wichtige und herausfordernde Aufgabe sahen.
Gemeinsam entwarfen wir ein Konzept für die Installierung einer Schülervertretung.
Diesen Weg möchte ich im dritten Teil meiner Hausarbeit beschreiben, angefangen von den inhaltlichen Vorbereitungen der gegründeten „SV-AG“ bis hin zu den ersten Klassensprechersitzungen.
Während der ersten Lehrgangswoche meiner Zusatzausbildung wurden uns von Prof. Dr. Katzenbach verschiedenste Ansätze der Geistigbehinderten- Pädagogik vorgestellt, unter anderem der „Empowerment-Ansatz“1. Ich entdeckte sehr viele Parallelen zu den von mir gemachten Erfahrungen und Beobachtungen, und fand in der weiterführenden Lektüre von Theunissen und Theunissen und Plaute (siehe Literaturliste) eine hervorragende und hilfreiche Differenzierungsmöglichkeit meiner persönlichen Leitgedanken. Meines Erachtens nach darf Empowerment weder missverstanden werden als das völlige Ausleben egozentrischer Persönlichkeitsanteile auf Kosten der Umgebung, noch als theoretische Begründung für das Alleinlassen hilfsbedürftiger Menschen verstanden werden. Empowerment muss immer in einem dem Individuum angemessenen Rahmen stattfinden. Dies gilt ganz besonders für die Vielfältigkeit der Klientel unsere Schulform.
Unter diesen Bedingungen halte ich sowohl das Menschenbild des Empowerment- Ansatzes, als auch die zu Grunde liegenden Leitlinien für geeignet, die theoretischen Grundlagen einer zu installierenden Schülerselbstvertretung zu bilden.
Insbesondere die unter Kapitel 2.4. aufgeführten verschiedenen Formen der Assistenz erwiesen sich für mich als äußerst wertvolles „Handwerkszeug“, um meinen konkreten Umgang mit den Schülern zu planen, zu begründen und auch selbstkritisch zu reflektieren.
Ich möchte deshalb in dem folgenden zweiten Kapitel die wesentlichsten Elemente des Empowerment- Ansatzes, in erster Linie basierend auf Theunissen/ Plaute (siehe Literaturliste), zusammenfassen.
Der Begriff „ Empowerment“ bedeutet wörtlich übersetzt „Selbst- Ermächtigung, Selbst-Bemächtigung“ (vgl. Theunissen/ Plaute, 2002, S.11). Als Leitidee für pädagogisches und soziales Handeln impliziert dieser Ansatz jedoch weit über diese Begriffserklärung hinaus sowohl ein spezifisch-differenziertes Menschenbild, als auch konkrete Handlungsstrategien der involvierten Personen.
Man findet die Ursprünge des Empowerment- Gedanken bereits im 19. Jahrhundert der amerikanischen Geschichte. Als handlungsorientierte Leitidee begegnen wir dem Begriff des Empowerments erstmalig in konkreter Form im Rahmen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der schwarzen Minderheit in den frühen 70er Jahren. In den folgenden 30 Jahren wurde sie zum Vorbild vielfältiger sozialer Bewegungen und Selbsthilfegruppen von Menschen in marginalen gesellschaftlichen Positionen. Bei aller unterschiedlicher Herkunft verbindet diese Gruppen eine zentrale Leitidee: durch direkte politische Mitsprache, Mitgestaltung und Kontrolle Einfluss auf die eigenen unmittelbaren Lebensumstände zu nehmen.
In unserem Zusammenhang sind hier People First Gruppen besonders erwähnenswert.
Ihre Wurzeln gehen auf das Jahr 1974 zurück. Damals bereitete in Oregon eine Gruppe von Menschen mit Lernbehinderung eine Selbstbestimmungstagung vor. Hieraus entstanden in den USA und Kanada zahlreiche Selbsthilfegruppen, die sich im Jahre 1981 zu der ersten „People-First “- Konferenz in Oregon trafen. Mehr als 1000 Menschen mit Lernschwierigkeiten nahmen daran teil.
1991 wurde in Tennessee die Dachorganisation „Self-Advocates Becoming Empowered“ („Betroffene machen sich stark“) gegründet.
An der dritten People First- Konferenz 1993 in Toronto nahm zum ersten Mal auch eine Unterstützungsperson aus Deutschland teil.
Im September 1994 fand in Duisburg ein Kongress zu dem Thema „Ich weiß doch selbst was ich will“ statt. Zum ersten Mal wurde nun in Deutschland im Rahmen eines derartigen Forums über das Thema Selbstbestimmung und Selbstvertretung von Menschen mit Lernschwierigkeiten und „Menschen, die geistig behindert genannt werden“ [2]gesprochen. Ab dem Jahr 1995 gründeten sich mehr und mehr Selbstbestimmungs- und Selbstvertretungsgruppen. Im Dezember 1996 folgte das erste bundesweite Treffen von People First Deutschland in Melsungen.
1997 wurden die ersten People First Deutschland Sprecher/innen gewählt.
Zu dem Thema „Wir spinnen ein Netz“ fand 1999 die erste Tagung statt.
Im September 2000 wurde dann im Rahmen der zweiten großen Tagung in Frankfurt ein bundesweites Netzwerk gegründet.
Im Februar 2001 wurde das Netzwerk People First Deutschland offiziell als Verein eingetragen.
(Siehe http://www.peoplefirst.de)
Während in vielen Ansätzen der traditionellen Heilpädagogik die Defizite, Schwächen und Hilfsbedürftigkeiten des führungsbedürftigen, zu betreuenden Menschen im Mittelpunkt der personellen Wahrnehmung stehen, befindet sich im Rahmen des Empowerment- Ansatzes der unterstützungsbedürftige Mensch mit Assistenzbedarf in verschiedenen Lebensbereichen mit all seinen Kompetenzen, Ressourcen und Stärken im Zentrum des Geschehens. (Vgl. Theunissen/Plaute 2002, S. 186-S.187)
Dieses grundlegend optimistische Menschenbild ist Kernpunkt des Empowerment- Ansatzes und beinhaltet elementar das “Vertrauen in Stärken und Potentiale jedes Menschen, Lebenssituationen in eigener Regie produktiv zu gestalten“.(Theunissen/ Plaute, 2002, S.20)
Aus dem „Defizit-Wesen“ wird also ein Mensch mit Stärken, aus dem Patienten ein Klient und „Dienstleistungsnutzer“, und aus der Belieferungsbedürftigkeit wird eine partielle Unterstützungsbedürftigkeit (vgl. Theunissen/ Plaute 2002, S.186-S.187).
Erklärtes Ziel des Empowerment- Ansatzes ist „Menschen in marginaler Position zur Entdeckung und (Wieder) Aneignung eigener Fähigkeiten, Selbstverfügungskräfte und Stärken anzuregen, sie zu ermutigen, zu stärken sowie konsultativ und kooperativ zu unterstützen, Kontrolle, Kontrollbewusstsein und Selbstbestimmung über die eigenen Lebensumstände (zurück) zu gewinnen, sodass eine Lebensform in Selbstorganisation (wieder) statthaben kann“. (Vgl. Theunissen/ Plaute, 2002, S.32).Zwingend notwendig sind hierzu laut Theunissen u. Plaute folgende 3 Grundwerte: Selbstbestimmung, kollaborative und demokratische Partizipation und Verteilungsgerechtigkeit.
Selbstbestimmung
Nach Martin Hahn ist die Entwicklung des Menschen vom Säugling zum Erwachsenen-Alter maßgeblich dadurch gekennzeichnet, dass er lernt, mit immer größeren Freiräumen eigenverantwortlich umzugehen. Dies macht deutlich, dass Selbstbestimmung zum Wesen und „ureigenen“ Charakter des Menschen gehört (vgl. Hahn, 1998, S. 5f).
Darüber hinaus schreibt Hahn: „Es besteht (…) die grundsätzliche Gefahr, dass mit dem Verlust an Selbstbestimmungsmöglichkeiten ein Verlust der subjektiv erlebbaren Sinnhaftigkeit des Lebens einhergeht“. (Hahn, 1998, S.7)
Selbstbestimmung definiert sich hier nicht nur als Möglichkeit, ein Wohlbefinden des Individuums zu erreichen, bzw. zu erhöhen, sondern als grundlegenden Lebensinhalt.
Sieht man die von mir beschriebene Zielsetzung des Empowerment- Ansatzes wird deutlich, wie wesentlich das Erlangen der für das jeweilige Individuum höchstmöglichen Selbstbestimmung ist. Dies muss jedoch selbstverständlich in einem sinnvollen gesellschaftlichen und, den Fähigkeiten des Betroffenen entsprechenden, Kontext gesehen werden.
Selbstbestimmung muss zwangsläufig immer dort enden, wo das Individuum Gefahr läuft, sich selbst oder seine Umgebung zu schädigen.
Kollaborative und demokratische Partizipation
„Wo immer Menschen von Entscheidungen betroffen sind haben sie ein Recht auf Mitbestimmung“(Vgl. Galtung 2000,S.109,S.116)
Diese Kernaussage umfasst:
„Im Prinzip geht es somit um Bürgerbeteiligung, ziviles Engagement, Betroffenen- Beiräte oder auch Arbeitskreise mit politischem Mandat- kurzum um „policy making“- ein Grundsatz der die politische Dimension von Empowerment sichtbar werden lässt.“(Vgl. Theunissen/ Plaute, 2002,s.26)
Verteilungsgerechtigkeit
Auch materielle und soziale Bedürfnisse sind zu berücksichtigen, was auf den Anspruch auf eine gerechte Verteilung materieller und sozialer Ressourcen hinweist.
„Soziale Gerechtigkeit anstelle von Barmherzigkeit“. ( Vgl. Theunissen/ Plaute, 2002, S.28- S. 31)
Dies schließt die Notwendigkeit ein, mit den bevorteilten Entscheidungsträgern in einen konstruktiven Dialog zu treten, um deren moralische Verpflichtung zu verdeutlichen.
Sowie aus dem beschriebenen Menschenbild, als auch aus den 3 Grundwerten des Empowerment- Ansatzes ergibt sich nun folgerichtig der Schluss, dass auch die Rolle des professionellen Helfers neu durchdacht und definiert werden muss.
Aus dem Betreuer wird ein Begleiter, aus dem Fürsorger ein Assistent.
Um die inhaltliche Dimension dieser Veränderung zu verdeutlichen
möchte ich nun einige von Theunissen beschriebene Formen der Assistenz erläutern (vgl. Theunissen, 1999, S. 127- S. 140):
Dialogische Assistenz
Das elementare Bedürfnis des Menschen nach Nähe, Anerkennung und Würdigung der eigenen Person fließt ein in den Dialog zwischen Assistenz und Betroffenen- nicht bestimmen, sondern im Dialog Motivation, Wünsche, Zielsetzungen gemeinsam herausarbeiten und bei deren Umsetzung unterstützen und beraten.
Wenn auch Kooperation und freundschaftlich geprägter Umgang im Zentrum des Geschehens stehen sollen, so ist dennoch gerade in der Arbeit mit Menschen mit „geistiger Behinderung“ klar, dass auch in der dialogischen Assistenz erzieherische Einflüsse eine durchaus legitime Rolle spielen können.
Advokatorische Assistenz
Das Wort „Advocat“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet in der wörtlichen Übersetzung „der Gerufene“. Im hiesigen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff einen Anwalt. „Fürsprecher“ ist wohl in unserem Zusammenhang die treffendste Beschreibung. Der Assistent hat die nicht einfache Aufgabe, Wünsche, Vorstellungen und Zielsetzungen des Betroffenen mit einer höchstmöglichen Objektivität wahrzunehmen, und sozusagen „ich-stellvertretend“ für eine realistische und „lebbare“ Umsetzung zu sorgen.
Konsultative Assistenz
Hier steht die Beratung des Betroffenen im Vordergrund. Sowohl bei der Entwicklung eines realistischen Lebensplanes, als auch zur Unterstützung in konkreten Lebenskrisen soll konsultative Assistenz verstanden werden als ein offenes Angebot der psychosozialen Lebenshilfe. Wie bei den vorausgegangenen Assistenzformen spielt natürlich auch hier der Dialog eine wesentliche Rolle. Der Begriff „Beratung „soll hier keinesfalls missverstanden werden als „Expertenurteil mit Wahrheitsanspruch“.
Facilitatorische Assistenz
Ziel der facilitatorischen Assistenz ist es, sinngebundene Lernprozesse anzuregen und zu fördern. Im Gegensatz zu einer reinen Wissensvermittlung im traditionellen schulischen Sinne geht es zentral um eine „mäeutische Hilfe zur Freisetzung und Entbindung selbstständiger Lernaktivitäten vor dem Hintergrund einer dialogisch geprägten offenen Beziehung“. (Vgl. Theunissen, 1999, S.132)
Durch die Bereitstellung motivierender Materialien, durch die Schaffung lernorientierter Alltagssituationen und Erfahrungsfelder sollen die Betroffenen ermutigt werden, sich selbst „neu auszuprobieren“, Ängste und Schwächen zu überwinden, zu experimentieren und neue Fertigkeiten zu entwickeln.
Da signifikantes Lernen nur im Rahmen von Eigenmotivation stattfinden kann versteht es sich von selbst, dass hier jedes Angebot einen freiwilligen Charakter anzunehmen hat. Der Betroffene hat stets die Freiheit, Angebote abzulehnen.
Lernzielorientierte Assistenz
Im Gegensatz zu der facilitatorischen Assistenz umfasst die lernzielorientierte Assistenz „strukturierte (Lern-) Hilfen oder auch systematische Unterstützung zur Aneignung sinnerfüllter Handlungen oder zum Erwerb subjektiv bedeutsamer Fertigkeiten.“ (Vgl. Theunissen 1999, S.134)
Hier spielen jedoch folgende Grundbedingungen eine wesentliche Rolle:
Sozialintegrierende Assistenz
Da der Empowerment- Ansatz stets den Menschen als soziales und in einem gesellschaftlichen Kontext befindliches Wesen begreift, spielt die sozialintegrierende Assistenz eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Arbeit des professionellen Helfers.
Kontakte anzubahnen, die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen zu ermöglichen, die Mitgestaltung öffentlicher Aktivitäten zu unterstützen, all dies erschließt ein soziales Netzwerk, in dem sich der Betroffene zugehörig, geborgen und wertgeschätzt fühlen kann.
Intervenierende Assistenz
Es liegt auf der Hand, dass gerade in der Arbeit mit Menschen mit „geistiger Behinderung“ mit den Freiräumen der verschiedenen Assistenzformen sehr überlegt und sorgfältig umgegangen werden muss, und diese situativ auch ganz eindeutig an ihre Grenzen stoßen. So darf weder Verwahrlosung noch Selbstgefährdung, weder die Beeinträchtigung Dritter noch sozial völlig unvereinbares Verhalten unter dem Deckmäntelchen des Empowerments in letztlich unverantwortlicher Weise einfach hingenommen werden.
Dies führt uns zu der intervenierenden Assistenz. In untragbaren Situationen muss der Helfer lenken, eingreifen und mögliche Eskalationen verhindern. Wünschenswert ist eine anschließende Aufarbeitung der Situation im Rahmen einer facilitatorischen oder konsultativen Assistenz.
Für das unterrichtlichte Geschehen empfehlen Theunissen /Plaute (vgl. Theunissen/ Plaute 2002, S.144) zunächst das Erschließen eines „personal profile“ bezogen auf personale und soziale Empowerment- Fähigkeiten.
Dem daran anschließenden individualisierten Empowerment- Curriculum sollten folgende acht handlungsbestimmende Leitlinien zugrunde liegen:
· Aktivitätsanregende Vorgehensweise- zu Eigenaktivitäten herausfordern.
· Sinnstiftende Vorgehensweise- Lernangebote müssen subjektiv bedeutsam sein.
· Entwicklungsgemäße Vorgehensweise- „…, das Arrangement der Lernsituationen muss für das personale System passend sein, sodass sich der Lernende mit seinen Interessen, seinem Autonomiebedürfnis und seinen Möglichkeiten darin wiederfinden und altersgemäße Entscheidungen treffen kann“. (Vgl. Theunissen/ Plaute 2002 S. 148)
· Sozialerzieherische Vorgehensweise- der Schüler soll darin unterstützt werden, sich in sein soziales Umfeld einzubringen und geborgen und wohl zu fühlen.
Als spezielle Maßnahmen zur Förderung von Empowerment nennt Theunissen
· Subjektzentrierte aktionsorientierte Aktivitäten
· Partnerarbeit
· Gruppenarbeit
· Projektarbeit
· Psychische, kommunikative und soziale Hilfen (evtl. Einzelarbeit und unterrichtsflankierende Maßnahmen)
· Community-based Activities (Aktivitäten außerhalb der Schule)
Im Rahmen der sich nunmehr herauskristallisierten festen Gruppe von 3 Personen, die sich aktiv um die Installierung einer Schülervertretung kümmern wollten, suchten wir zunächst Rat und Unterstützung über Informationsveranstaltungen zum Thema Schülervertretungen des HELPs. Schnell stellte sich heraus, dass sowohl unsere „Fortbilder“ im Umgang mit uns ratlos waren, als auch wir mit den dort angebotenen Informationen nur wenig anfangen konnten. Eine Schülervertretung an einer Schule für Praktisch Bildbare Schüler ist derart speziellen Anforderungen unterworfen, dass nur die genaue Kenntnis der Schülerklientel eine konkrete Umsetzung, beziehungsweise notwendige Modifizierung, der „standardisierten“ Bedingungen ermöglicht. Die im Rahmen dieser Fortbildungen erworbenen Kenntnisse rechtlicher Grundlagen waren sinnvoll, im Vordergrund stand jedoch unsere Kreativität und die Bereitschaft, SV- Arbeit im üblich-rechtlichen Sinn neu und andersartig zu definieren.
Nicht nur wir und die Schüler, sondern auch das Kollegium benötigte eine angemessene Zeit der Vorbereitung. Deshalb war unser nächster Schritt ein Fragebogen für das gesamte Kollegium (siehe Anhang 1).
Nach einem ersten Erfahrungsaustausch hinsichtlich der Neuinstallierung des Faches „Soziales Lernen“, entwarfen wir eine konkrete Konzeption.
Das Ergebnis unserer Überlegungen sah folgendermaßen aus:
Dieses Konzept gaben wir im Rahmen unseres Kollegenrundbriefes schriftlich bekannt (siehe Anhang 2).
Das Kollegium zeigte sich, im Hinblick auf die inhaltliche Umsetzung der SV- Arbeit und des Faches „Soziales Lernen“, wie die Auswertung des Fragebogens ergab, interessiert, aber auch etwas ratlos.
Für die darauffolgende Gesamtkonferenz räumte uns unser Schulleiter ein beträchtliches Zeitkontingent ein, sodass wir in aller Ausführlichkeit von unseren Erfahrungen und Überlegungen berichten konnten, und im Anschluss daran alle Fragen des Kollegiums diskutieren konnten.
Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass das Kollegium hinsichtlich der Durchführung des Faches „Soziales Lernen“ unsicher zu sein schien. Hier bestand, „da man ja im Grunde den ganzen Tag über „Soziales Lernen“ unterrichtet“, zunächst die Notwendigkeit, den grundlegenden Sinn eines fest installierten Faches „Soziales Lernen“ zu klären. Es gelang uns zu verdeutlichen, dass dieses Fach natürlich lerngruppenabhängig unterrichtet werden soll und wir diesbezüglich keinerlei Vorgaben und Maßregelungen setzen wollen. Allerdings legten wir Wert darauf, dass die Richtungsweisung in der Vorbereitung auf die bevorstehenden Wahlen liegen sollte.
Alle Kollegen zeigten sich einverstanden, so dass die Gesamtkonferenz den Beschluss verabschiedete, ab dem kommenden Schuljahr Soziales Lernen als ständiges Unterrichtsfach mit einer Wochenstunde anzubieten.
Wir vereinbarten nach dem Ablauf eines halben Jahres unsere diesbezüglichen Erfahrungen auszutauschen, und boten uns als ständige Ansprechpartner für eventuell aufkommende Fragestellungen an.
Der verabredete Erfahrungsaustausch ergab Folgendes:
Wie auf der Gesamtkonferenz beschlossen, wurde nunmehr, als erster Schritt hin zu der Errichtung einer Schülervertretung an unserer Schule, in allen Klassen das Unterrichtsfach „Soziales Lernen“ eingeführt.
Im Zuge dieses Unterrichts sollten die Schüler innerhalb ihrer Klassen, im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten, mit der Funktion einer Schülervertretung vertraut gemacht werden.
Ich übernahm die Vorbereitung und Durchführung dieses neuen Unterrichtfaches in meiner Klasse.
Zunächst galt es, in Absprache mit meinen Team- Kollegen, das neue Unterrichtsfach sinnvoll in den bestehenden Stundenplan einzubinden.
Dienstags erste und zweite Stunde, abzüglich der notwendigen Frühstückszeit von ca. 20 Minuten, bot sich hierfür als zeitliche Möglichkeit an.
Nun bereitete ich ein grobes Ablaufraster vor, das dem zukünftigen Unterricht in seinen immer wieder kehrenden Rahmenbedingungen den Schülern einen für sie so wichtigen rituellen und somit vertrauten Charakter verleihen sollte.
Ich suchte nach einem geeigneten Piktogramm für unsere Stundentafel und laminierte dieses.
Im Rahmen meiner schriftlichen Unterrichtsplanung für die gesamte Klasse formulierte ich meine geplanten Lernziele und Abläufe (siehe Anhang 3).
In dem parallel hierzu stattfindenden Werkunterricht sollten die für die Wahl benötigten, „Entscheidungsständer[3] (siehe Anhang 6a) gefertigt werden.
Die Zielsetzung für diesen Unterricht umfasste:
· das Erkennen von benötigten Arbeitsschritten anhand des vorgefertigten Modells und einer Skizze
· den praktischen Umgang mit Holz und Holzwerkzeugen (sägen, schmirgeln, bohren, schrauben, leimen, etc.)
· die Vorbereitung auf die Klassensprecherwahl auf handwerklich- gegenständlicher Ebene
Wie im Anhang 3 beschrieben, plante ich die Hinführung der Schüler auf die Wahlen in 3 verschiedenen Unterrichtsphasen:
Zu Beginn jeder Unterrichtseinheit fand jeweils eine einführende Entspannungs- und Kooperationsübung zur Förderung des Klassenklimas statt.
Folgende Materialien und Medien kamen hierbei zum Einsatz:
- Musik, z. B. „December“ von Winston, verschiedene klassische Stücke wie Klavierstücke von Chopin, aber auch themenbezogene Stücke, wie z.B. „Drachen sollen fliegen“ von Pur, Wetter – Themen wie Sturm, Regengeräusche, Naturgeräusche etc.
- Kurzgeschichten verschiedener Autoren vom „Menschsein“, z.B. eine von mir abgewandelte Variante der „Schmuser- Geschichte“ aus dem Märchenbuch für Erwachsene von Claude Steiner und Heinz Körner, die Geschichte vom Regenwurm, der anders war als die anderen etc.
- Gruppenübungen wie z. B. „der Baum“ : ein Schüler steht in der Mitte- sehr eng umrundet von seinen Mitschülern. Die Gruppe simuliert nach Anweisung verschiedene Wetterlagen wie Wind, Sturm, Sonne etc. Der Baum wiegt sich und wird von der Gruppe gestützt und aufgefangen.
Weitere Übungen waren: die Autowaschstraße (ein Schüler liegt in der Mitte und ist das Auto- auf beiden Seiten stellen seine Mitschüler die Autowaschstraße und die unterschiedlichen Arbeitsablaufe dar,
und verschiedenste Themen- Rückenmassagen ( Zoobesuch, Wetter, Pizza etc.)
Bemerkenswert hierbei war der Umstand, dass alle Einheiten und Übungen, die zu einem Körperkontakt zwischen den Schülern führten (z.B. sternförmiges Liegen mit den Köpfen nach innen, gemeinsames Liegen auf einer Decke, versch. körpernahe Gruppenübungen), zu einer ausgesprochen friedfertigen und „milden“ Gruppenatmosphäre führten.
Die Schüler ließen sich sehr gerne darauf ein. Wichtig war hier sicherlich die Grundsicherheit, nicht mitmachen zu müssen, wenn ihnen etwas unangenehm sein sollte. Besagte Grundregel halte ich bei derartigen Übungen für absolut notwendig. J nutzte diese Möglichkeit zweimal, während alle anderen immer teilnehmen wollten.
Erfreulich war diesbezüglich As Entwicklung. Aufgrund seiner inneren Unruhe und hoher Anspannung fiel es ihm zunächst schwer, sich unverkrampft auf die Einheiten einzulassen. Im Laufe der Zeit war er jedoch zunehmend besser in der Lage, kurze Momente der wirklichen Entspannung zu finden.
Im Mittelpunkt der im Anschluss daran stattfindenden Erarbeitung stand die Arbeit mit dem von den Schülern selbst angefertigten Sorgenkästchen.
Im Verlaufe der ersten Phase meiner Unterrichtsplanung sollten die Schüler in Einzelarbeit eigene Sorgen und Ärgernisse malen, bzw. Schlüsselgegenstände in das Kästchen legen, und in der folgenden Plenum- Runde ihren Mitschülern vorstellen.
Die Schüler hatten sehr schnell einen Veränderungsvorschlag parat. Sie wollten auch schöne Geschehnisse malen und hinzufügen. J, A und S nutzten von sich aus die Kästchen auch zwischendurch, und füllten sie mit Zeichnungen für die nächste Unterrichtsstunde.
Bei M gelang es mir zunächst nicht, die inhaltliche Vorgabe zu verdeutlichen. Hier wich ich auf unseren gemeinsamen Schul- Alltag aus. Wann immer sich konkrete Anlässe boten bat ich M jetzt ein Bild dazu zu malen, und es in sein Sorgenkästchen zu legen.
Die anderen Mitschüler genossen offensichtlich die Möglichkeit, ihren Klassenkameraden die angefertigten Zeichnungen zu präsentieren und hierüber von gemachten Erfahrungen und Erlebnissen zu berichten. Besonders A thematisierte sehr detailliert seine sehr schwierigen Lebensumstände. Ich war oft überrascht und auch ergriffen von der Bereitschaft seiner Mitschüler, ihm zuzuhören, ihm Lösungsvorschläge anzubieten und sich ihm mit großer Präsenz und Konzentration zuzuwenden.
In der folgenden zweiten Phase stand die Kleingruppenarbeit mit jeweils 2 Schülern im Zentrum des Unterrichts. Die Schüler sollten sich nunmehr gegenseitig ihre Zeichnungen erklären. In der anschließenden Plenums- Runde sollten sie dann die Zeichnungen des Kleingruppenpartners präsentieren und erläutern, also „für den anderen sprechen“. Auch die Benennungen sollten entsprechend sein, z.B. spricht nicht J, sondern der „Sprecher“, dies um die Einführung des Begriffes „Klassensprecher“ vorzubereiten
Im Zentrum meiner Überlegungen stand hier die Zielsetzung,
dass es im Erleben der Schüler Schwerpunkt sein sollte, nunmehr für einen anderen zu sprechen. Dies umfasst, sich dem anderen wirklich zuzuwenden, ihm zuzuhören, und seine Schilderungen möglichst genau und objektiv wiederzugeben.
Die Schüler sollten erstmalige konkrete Erfahrungen mit der Rolle des „Sprechers“ machen, eine wichtige Grundlage um die zukünftige Funktion eines Klassensprechers zu begreifen.
Des weiteren legte ich Wert darauf, dass, mit Ausnahme von M und H, die Schüler ohne Unterstützung einer erwachsenen Bezugsperson arbeiteten. Ich gestattete auch, dass die Schüler, die dies wünschten, sich in andere Räume zurückzogen. Meine Sorge bezüglich der mangelnden Aufsicht wurde von den äußerst zuverlässigen Schülern schnell entkräftet. Auch hierin sehe ich eine konkrete Vorbereitung auf die SV- Tätigkeit, den Schülern in dem überaus geschützten und betreuten Rahmen „Schule“ Möglichkeiten zu verschaffen, sich von den Lehrpersonen, und der eigentlich den ganzen Tag umfassenden Beaufsichtigung, ein vertretbares Stück weit zu entfernen.
H und M jedoch benötigten aus verschiedenen Gründen eine konstante Begleitung ihrer Kleingruppenarbeit durch einen Erwachsenen.
Einerseits ist Ms lautierende Sprache kaum zu verstehen, wodurch Inhalte oft erst durch gezieltes Nachfragen deutlich werden.
Andererseits hatte M zunächst große Schwierigkeiten damit, andere Schüler zu erklären, bzw. sich durch einen Mitschüler erklären zu lassen. Es war sein Bild, und das wollte er auch selbst erläutern. Hier war häufig das vermittelnde und strukturierende Eingreifen eines Erwachsenen von Nöten.
Bei H war es sehr schwierig, seine Reaktionen auf verbale Mitteilungen richtig zu interpretieren. Wie so oft in der Arbeit mit Schülern mit „umfassender Behinderung[4]“ hatte ich letztlich das Gefühl, zwar nach außen hin H gut einzubinden, jedoch unter Umständen ihn selbst mit dem, was ihm wirklich wichtig ist, zu verpassen.
Die anderen Schüler waren sich sehr schnell der Aufgabenstellung bewusst und genossen beide Rollen, sowohl erklärt zu werden als auch den anderen zu erklären.
Im Verlaufe der 3. Phase bearbeiteten wir nun ganz konkret Inhalte der zukünftigen SV.
Aufgrund meiner zeitlichen Stundenorganisation entfiel nun die einleitende Entspannungsphase, und die Sorgenkästchen wurden nur noch thematisiert, wenn Schüler konkret darum baten.
Statt dessen widmeten wir uns in der Gesamtgruppe folgenden Fragestellungen:
S, J und Ch zeigten hier von Anfang an sehr klar umrissene und realistische Vorstellungen. A und I mussten diese erst zusammen mit ihren Mitschülern entwickeln.
M zeigte zwar großes Interesse und Enthusiasmus für dieses Thema, näherte sich aber nur sehr langsam einem konkreten Bild.
Nach diesen gemeinsamen Erörterungen erstellte ich verschiedene Arbeitsblätter, die von den Schülern in Einzelarbeit, und falls nötig mit der Unterstützung einer erwachsenen Bezugsperson, bearbeitet wurden (siehe Anhang 4a- 4d).
In den darauf folgenden Einheiten ging es um folgende persönliche Stellungnahmen zu dem Thema:
· Möchte ich Klassensprecher werden?
· Was ist mir dann wichtig?
Die Schüler, die sich für das Amt des Klassensprechers interessierten, arbeiteten nun an einem Vorstellungsblatt für ihre Kandidatur. In dieser Zeit wurde die Gruppe geteilt. Ich erarbeitete mit den zukünftigen Kandidaten J, S, I und M ihre Präsentation (siehe Anhang 5a – 5d), während der Zivildienstleistende mit A, Ch und H Jugendzeitschriften anschaute oder ähnliche Aktivitäten vornahm.
Ganz kurz vor der Wahl erarbeiteten wir gemeinsam, wie die Wahl aussehen sollte. Seitens der Schüler wurde eine geheime Wahl gewünscht. Wir entschieden uns für einen Wahlaufbau im Nebenraum.
Ich schlug vor, dass die Schüler, die nicht kandidieren, den Wahlausschuss bilden. Mit diesem Vorschlag traf ich auf die Zustimmung der Schüler.
A und Ch übernahmen diese Aufgabe und befassten sich intensiv mit den von mir ausgehändigten Wahlunterlagen.
Noch zu erwähnen sei die im Grunde genauso wichtige außerunterrichtliche Vorbereitung.
Wie bereits erwähnt impliziert eine gelungene SV- Arbeit für mich unter Anderem folgende wesentliche Faktoren:
· Eine respektvolle Grundhaltung den Schülern gegenüber.
· Wo auch immer möglich eine Vielfalt von basisdemokratischen Entscheidungsmöglichkeiten für unsere Schüler.
· Das Zugestehen der höchst möglichen, zu verantwortenden Eigenständigkeit der Schüler.
· Ein Zutrauen in die vielen, oft nicht genügend wahrgenommenen Kompetenzen unserer Schüler.
· Die Bereitschaft, sich selbst in Frage stellen zu lassen.
· Die Bereitschaft, getroffene Entscheidungen der Schüler voll und ganz zu akzeptieren.
All dies muss, um wirklich gut vorbereitete Schüler erste Schritte in ihre eigene Schülervertretung machen zu lassen, täglich angestrebt werden. Ich sage nicht, dass es immer zu 100 Prozent umsetzbar ist, aber ich glaube, dass diese Punkte ein tägliches Ziel in unserer Arbeit, unseren Auseinandersetzungen, und unserem Stückchen gemeinsamen Lebens mit unseren Schülern sein sollten.
Wann immer sich meine Schüler in pubertär-unangemessener Weise beschweren, werde ich mit ihnen auf die Suche nach sinnvollen Lösungswegen gehen („Du findest das Essen zum Kotzen- lass uns einen Brief an die Essensfirma schreiben- ohne Schimpfwörter...“), und ihnen Mut machen, Kritik zu äußern, aber auch Wege erarbeiten, dies in einer konstruktiven und angemessenen Form zu tun.
Und genau dann findet meines Erachtens nach im Alltag die allerbeste Vorbereitung auf eine zukünftige Schülervertretung statt, die man sich nur denken kann.
Tägliches „Learning by doing“- es macht Sinn, in freundlicher Form den Mund aufzumachen!!!!!
Endlich war es so weit, und voller Begeisterung widmeten sich die Schüler dem Wahlaufbau.
Leider war J zu diesem Zeitpunkt in einem Krankenhaus. Dies gab mir die Möglichkeit, mit den Schülern auch eine „Briefwahl“ zu thematisieren.
Ich hatte mit J am Abend zuvor telefoniert, und seine mir von ihm mitgeteilte Entscheidung in einem Briefumschlag festgehalten. Ich besprach nun mit der Klasse, dass diese Stimmen von Jan mitgezählt werden.
In unserem Nebenraum wurden nun die von den Schülern angefertigten Entscheidungsständer (siehe Anhang 6a und 6b) aufgebaut. Jeweils davor legten wir die Vorstellungsblätter der einzelnen Kandidaten.
Der Wahlausschuss (Ch, A und H) erhielt die Wahlunterlagen (siehe Anhang 7). Jeder Schüler erhielt 2 Wahlklötzchen.
Wir saßen nun im Stuhlkreis, und jeweils ein Schüler ging mit seinen Wahlklötzchen in den Nebenraum, um dort seine 2 Stimmen abzugeben.
J, S, Ch, A und M gingen alleine. I wurde von mir in den Raum geführt und dann alleine gelassen. Nach getätigter Wahl rief I und wurde aus dem Raum geführt.
Mit H ging ich gemeinsam zu den Wahlen. Ich zeigte ihm mehrmals alle Photos der Kandidaten und versuchte anhand seines Lächelns zu erkennen, bei welchen Schülern er am intensivsten reagierte. Meiner Vermutung folgend (leider kann es bei H nur selten mehr als eine Ahnung dessen, was er wirklich möchte, sein) führte ich seine Hand mit den Wahlklötzchen zu den entsprechenden Entscheidungsständern und verteilte so mit ihm zusammen seine Stimmen. Zum Schluss legte ich für J 2 Wahlklötzchen ab.
In der Klasse machte sich eine angenehme Form der Aufregung und Spannung breit. Die Schüler würdigten ganz offensichtlich diesen Moment als für sie sehr wichtig.
Nun war der Wahlausschuss an der Reihe. Ahatte die Aufgabe, die Stimmen auszuzählen und Ch die jeweilige Anzahl für das Ausfüllen der Wahlunterlagen zu diktieren. Ch füllte nach As Anweisungen das Formblatt aus. H sollte zusammen mit mir die Ergebnisse kontrollieren. Wir zählten zusammen die Anzahl der Wahlklötzchen nach.
Es war erstaunlich, mit welch hoher Motivation Aseine Aufgabe erfüllte. Er war mit sehr großem Ernst und für ihn ungewöhnlicher Genauigkeit bei der Sache.
Während dieser Zeit warteten die restlichen Schüler mit prickelnder Anspannung, jedoch gleichzeitig sehr geduldig und ohne jede Störungsaktion. Trotz des für sie ungewohnten „Leerlaufes“ akzeptierten sie offensichtlich diese Wartezeit.
Nachdem der Wahlausschuss mit gebührender Würde das Formblatt unterschrieben hatte ging es nun zu der Verkündigung des Wahlausganges.
Ch las der Klasse langsam und sehr betont das Ergebnis vor, Andrej bestätigte die
Richtigkeit.
Ch fragte nun S, ob er die Wahl annehmen würde. Er antwortete mit einem strahlenden „ja“. Ich gratulierte ihm zu seiner neuen Aufgabe des Klassensprechers, wir alle applaudierten dem frischgebackenen SV-Mitglied.
Nachdem die Wahlen in allen Klassen abgeschlossen waren sollten sich nun die SV-Mitglieder in einem 14-tägigen Rhythmus in dem Multifunktionsraum unserer Schule treffen. Im Verlauf der ersten Klassensprechersitzungen beabsichtigten wir bewusst eine zunächst stark strukturierende und organisierende Rolle zu übernehmen. Dies hatte den Sinn, die Schüler in der für sie völlig neue Situation nicht zu überfordern, und ihnen zunächst Orientierungshilfen anzubieten. Mit zunehmender Sicherheit und Kenntnislage der Schüler wollten wir uns dann zurücknehmen, und nur noch wenn unbedingt nötig assistierend zur Seite stehen.
Ich werde in diesem Kapitel die ersten 3 Sitzungen detailliert beschreiben und daran anschließend nur einen kurzen Abriss über die folgenden Sitzungen vorstellen.
Im Verlaufe der ersten Klassensprechersitzung (Einladung siehe Anhang 8),
moderierten wir eine Vorstellungsrunde, in der sich jedes SV- Mitglied vorstellte und von dem Wahlablauf in der jeweiligen Klasse berichtete.
Dann fragten wir die Schüler, ob sie Interesse hätten, von mir vorbereitete„Vorstellungsblätter“(siehe
Anhang 9) zu gestalten, um sich hiermit als „die gewählte Schülervertretung“ anschließend der ganzen Schulgemeinde vorzustellen. Hierzu sollten alle Vorstellungsblätter an die große Stellwand im Schulfoyer gepinnt werden.
Die Schüler griffen diesen Vorschlag begeistert auf.
Die zweite Sitzung (Einladung siehe Anhang 10) diente der Strukturierung zukünftiger Klassensprechersitzungen. Hierzu stellten wir zunächst den Entwurf eines möglichen Ablaufrasters vor:
TOP 1 Eröffnung der Sitzung durch einen Schüler (jeweils im Wechsel)
TOP 2 Befindlichkeitsrunde
TOP 3 Sammeln, bzw. Vorstellung der Themen
TOP 4-? Bearbeitung der gesammelten Themen
TOP? Sammeln der Punkte für die nächste Konferenz
TOP ? Abschlussrunde ( Feedback)
TOP ? Schließen der Sitzung durch einen Schüler
Im Rahmen dieses Gespräches konnten wir auch nochmals die Begrifflichkeiten von „Konferenz und Tagesordnungspunkten“ klären.
Anschließend stellten wir verschiedene Materialien für die Eröffnung der Sitzung und die Befindlichkeitsrunde vor.
Die Schüler entschieden sich mit großer Mehrheit für die Klangschale als „Eröffnungsritual“ und die beiden Smylies als Symbole für die Befindlichkeitsrunde.
Es folgte TOP „Faschingsfeier“ - die SV- Mitglieder sollten bis zu der nächsten Klassensprechersitzung in ihren Klassen nachfragen, welche möglichen Themen für die schon bekannte klassenübergreifende Faschingsfeier der Haupt- und Werkstufen gewünscht werden. Diese Themen sollten sie dann in der nächsten Sitzung vorstellen und darüber abstimmen.
Unter TOP „Neuanschaffungen“ teilten wir den Schülern mit, dass wir für den Schulhof ein neues Spielgerät anschaffen können, und die Schülervertretung entscheiden soll, was gekauft werden soll. Dies sollte in der nächsten Klassensprechersitzung genauer besprochen werden.
Anschließend sammelten wir weitere Themen für die nächste Besprechung. Gewünscht waren:
· Die Herstellung von SV- Ausweisen
· Der Zustand unserer Fahrräder
Die abschließende Feedbackrunde ergab eine große Zufriedenheit der Schüler mit ihrer neuen Funktion und den damit verbundenen Tätigkeiten.
Die dritte Klassensprechersitzung (Einladung siehe Anhang 11) eröffnete J mit Hilfe der Klangschale.
Im Verlaufe der Befindlichkeitsrunde äußerten alle Schüler, wie sehr sie sich auf die Klassensprechersitzung gefreut hätten.
Unter TOP 2 ( Faschingsfeier) trugen wir die Ergebnisse der Umfrage hinsichtlich der möglichen Faschingsthemen zusammen.
Folgende Themen wurden uns mitgeteilt:
Harry Potter
Verdrehte Welt
Halli Galli (jeder macht, was er will)
Berufe
Mafia
Wir schrieben die Themen auf ein Plakat und baten nun die Schüler darum, ihren Namen oder einen Strich hinter das von ihnen gewünschte Thema zu schreiben. Zum Teil benötigten die Schüler für das Verstehen der einzelnen Themen, als auch für ihre Entscheidung, noch konkrete Unterstützung von uns.
Nach dem Auszählen der Stimmen (dies übernahmen die Schüler) zeigte sich die Mehrheit für Harry Potter. Wir baten die Schüler, dieses Ergebnis in ihren Klassen bekannt zu geben.
Top 3 behandelte die Frage, was für ein Spielgerät die SV für den Pausenhof anschaffen möchte. Die Schüler favorisierten den Kauf eines Basketballkorbes. Es wurde beschlossen, in der nächsten SV- Sitzung mit Hilfe diverser Kataloge zu überprüfen, welche verschiedenen Angebote es gibt und was es kostet.
Unter TOP 4 machten die Schüler deutlich, wie wichtig ihnen das Herstellen eines Klassensprecherausweises ist. Aus Zeitgründen baten wir die Schüler darum, in der nächsten Sitzung Inhalt und Form der Ausweise ausführlich zu besprechen.
Aus den gleichen Gründen mussten auch die TOPs Fahrräder und Verschiedenes entfallen, sodass wir nur noch eine schnelle Abschlussrunde machen konnten.
Alle Schüler äußerten sich sehr zufrieden über die Klassensprechersitzung und freuten sich schon auf das nächste Zusammentreffen.
Im Verlaufe der nächsten Sitzungen beschäftigten sich die Schüler unter anderem mit folgenden Schwerpunkten:
· Sie entschieden über Inhalt und Form des Klassensprecherausweises.
· Sie stellten den Klassensprecherausweis her.
· Sie suchten aus einer Vielzahl von Katalogen einen höhenverstellbaren und transportablen Basketballkorb für den Pausenhof aus (beeindruckende Argumentation: damit auch die Kleinen damit spielen können).
· Sie luden den Schulleiter, Hr. S, zu einer Sitzung ein, um mit ihm die Anschaffung des von ihnen gewünschten Basketballkorbes zu besprechen.
· Sie erstellten, da es Schwierigkeiten mit dem Wegräumen des Basketballkorbes gab, eine „Zuständigkeitsliste“ für die verschiedenen Wochentage.
· Sie überlegten Möglichkeiten der genaueren Beobachtung der Essensqualität (z.B. tägliche Bewertung mit kleinen Aufklebern).
Eine Vielzahl kleinerer Themen muss hier leider unerwähnt bleiben, da dies sonst den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
Insgesamt lässt sich herausheben, das die SV- Mitglieder mit einer Fülle von Anliegen, Themen und Ideen zu den Sitzungen beitrugen, und unsere zunächst sehr klare Strukturierung schnell zu einer zunehmenden Verselbstständigung der Schüler führte. Sich jedes Mal wiederholende Rituale vermittelten den Schülern Sicherheit und umfassten die Möglichkeit, ohne unser Zutun die Sitzungen nach dem bekannten Schema zu gestalten.
Leider gerieten wir sehr häufig in erheblichen Zeitdruck. Oft war es gar nicht möglich alle gewünschten TOPs zu besprechen.
Die Schule.
Die Schule ist eine eindeutig lernzielorientierte Institution, was dem Gedanken der Bedürfnisorientierung am Klienten des Empowerment- Ansatzes schon im Kernpunkt widersprechen kann. Die Basis der Freiwilligkeit und des Mitspracherechtes ist somit nicht gegeben. Wir Bezugspersonen erstellen Förderpläne und entscheiden über inhaltliche Schwerpunkte des kommenden Schuljahres. Wir intervenieren, fördern gezielt, und lenken unsere Schüler in die von uns als richtig erachtete Richtung. Wir strukturieren den Tagesablauf, setzen Grenzen, und vermitteln täglich den Schülern von uns als wichtig erachtete individuell gesetzte Inhalte. Ich halte das auch vom Kerngedanken für richtig, setzt man voraus, dass jede Lehrperson nach besten Wissen und Gewissen inhaltliche und pädagogische Förderschwerpunkte setzt und umsetzt. Optimal und eine große Anerkennungsform für gut aufbereiteten Lehrstoff sind motivierte Schüler, deren persönliche Interessenlage von uns sinnvoll aufgegriffen und integriert wird. Doch dies ist nicht immer der Fall. Auch bei scheinbarem Desinteresse, oder sogar Widerständen, wäre es unserem Auftrag nicht angemessen, die notwendige Vermittlung intellektueller oder sozialer Fertigkeiten zu unterlassen, und die Auswahl der Lehrinhalte alleine dem Schüler zu überlassen. Ein Schüler, der trotz feinmotorischer Kompetenzen nicht üben möchte, seine Schuhe alleine zuzubinden (weil es zu lange dauert, zu mühsam ist etc.) ,wird ohne meine Intervenierung nicht in den Genuss eines noch höheren Wertes als mehr Zeit oder Bequemlichkeit, nämlich ein Stück mehr an Autonomie, kommen. Trotz dieser eindeutig förder- und heilpädagogischen Strukturen denke ich, dass es keinen Widerspruch darstellt, Elemente, Ideen und Menschenbild des Empowerment- Ansatzes in den Schulalltag einfließen zu lassen. Das Schaffen von selbstbestimmten Erfahrungsfeldern und Freiräumen ist durchaus auch im schulischen Bereich wichtig und sinnvoll. Sowohl Schüler als auch Lehrpersonen sind in der Lage, mit unterschiedlichen und nicht festgelegten Rollenbildern umzugehen und diese situativ und in einem sinnvollen Kontext in den Alltag zu integrieren.
Der Faktor „Zeit“.
Die beschriebenen Formen der Assistenz setzen alle einen wesentlich höheren Zeitaufwand voraus als die im heilpädagogischen Sinne übliche „Betreuung“. Der Dialog, das genaue und sensible Erforschen und Erspüren von Bedürfnissen und Wünschen, die Beratung und gemeinsame Erarbeitung von Inhalten und deren Umsetzungsmöglichkeiten benötigen Zeit, Ruhe und Ungestörtheit. Drei Bedingungen, die uns oft nicht in der gewünschten Form zur Verfügung stehen. Auch wenn es nicht immer erreichbar ist, sollte es im schulischen Alltag eine Zielsetzung sein, für derartige Arbeitsformen mit Schülern die notwendigen zeitlichen Ressourcen einzuplanen und bei Entscheidungsträgern diesbezüglich auf die Notwendigkeit guter personeller Kontingente hinzuweisen.
Unser Klientel.
In der Arbeit mit Menschen mit „schwerer geistiger Behinderung“ und Menschen mit „umfassender Behinderung“ ist der Empowerment- Ansatz sicherlich nicht unflexibel, dogmatisch oder unreflektiert zu übernehmen. Viel zu groß wäre die Gefahr, auf die verantwortungslose und desinteressierte Ebene einer „Laisser- Faire“- Pädagogik abzugleiten! Wie auch Theunissen mit Verweis auf eine im Empowerment- Ansatz implizierte Möglichkeit der intervenierenden Assistenz hervorhebt darf Empowerment niemals zur Legitimation des untätigen Alleinlassens unterstützungsbedürftiger Menschen werden (vgl. Theunissen 1999 S. 138- S. 139). Nicht zu unterschätzen ist auch gerade im Umgang mit nichtsprechenden Schülern die Schwierigkeit, tatsächliche Bedürfnislagen der Schüler unvoreingenommen und objektiv wahrzunehmen und umzusetzen, ohne persönliche Befindlichkeiten in die Bewertung mit einfließen zu lassen. Hier ist der Ursprung einer sinnvollen Umsetzung ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz und Sensibilität. Dennoch ist gerade für diese Schülergruppe die Leitidee des Empowerments von nicht zu unterschätzenden Wert. Durch ihre starke Einschränkungen sind sie oft nur geringfügig in der Lage, eigene Bedürfnisse zu signalisieren. Ihnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten so viele Entscheidungsmöglichkeiten wie nur irgend möglich anzubieten bedeutet, ihre vorhandenen Ressourcen im Hinblich auf Selbstbestimmung zu fördern und auszuschöpfen.
“Für manche schwer mehrfach behinderte Menschen, zu deren Alltag es gehört, einfach ‚abgefüttert’ zu werden, bedeutet schon die Wahl zwischen zwei Getränken ein Stück Autonomie“ (Vgl. Seifert 1995, S. 28)
Die Kernfrage eines kritischen Rückblickes unserer pädagogischen Begleitung stellt sicherlich die Frage nach den von Theunissen aufgestellten 8 handlungsbestimmenden Leitlinien dar.
Diese möchte ich nun hinsichtlich ihrer realen Umsetzung im Rahmen der geleisteten SV- Arbeit beleuchten.
Obwohl die SV- Sitzungen in einem nur 14-tägigen Rhythmus für jeweils 2 Unterrichtsstunden stattfanden, hatte ich stets den Eindruck eines sehr vertrauensvollen Arbeitsklimas. Die Schüler erzählten im Rahmen unserer Befindlichkeitsrunde recht offen von sich selbst. Einzelne Schülerinnen, mit denen ich nur bei dieser gemeinsamen SV- Arbeit zusammentraf, sprachen mich auch außerhalb dieses Rahmens auf verschiedene persönliche Themen an. Dies werte ich als ein Zeichen der tatsächlich von Sympathie und Vertrauen getragenen entstandenen Arbeitsatmosphäre.
Auch ruhigere und ängstlichere Schüler äußerten sich, wenn auch mitunter erst durch direkte Ansprache von uns. Hier gelang es, unter anderem durch konsequente Würdigung jeden Beitrages, Ängste „etwas falsches zu sagen „ zu nehmen.
Subjektzentrierte Vorgehensweise
Autonomieorientierte Vorgehensweise
Ich denke, dass wir die Schüler in Ansätzen zu autonomen und eigenverantwortlichem Handeln führen konnten. Natürlich prägten wir sowohl Struktur als auch Arbeitsform der SV- Arbeit. Dies war auch noch notwendig.
Klar erkennbar indes war eine vermehrte und letztlich maßgebliche Einflussnahme der Schüler auf die Themenauswahl. Hier zeigten sie sich zunehmend in der Lage, ihre Sitzungen inhaltlich zu gestalten.
Aktivitätsanregende Vorgehensweise
Sinnstiftende Vorgehensweise
Allen Schülern war Sinn, Bedeutung und persönliche Wichtigkeit ihrer SV- Tätigkeit bewusst. Die subjektive Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit ergab sich aus dem praktischen Erleben und der stets vorhandenen Möglichkeit, eigene Wertigkeiten, Schwerpunkte und Gedanken in die Tätigkeit einfließen zu lassen.
Entwicklungsgemäße Vorgehensweise
Es stellte sich als sehr sinnvoll heraus, die SV- Arbeit zwischen Grund/ Mittelstufe und der Haupt/ Werkstufe zu trennen.
Abgesehen von persönlich unterschiedlichen Kompetenzen der Schüler befanden sich alle in ähnlichen Entwicklungsstadien. Dies führte sowohl zu gleich gelagerten Interessen bei der Gestaltung der SV- Sitzungen ( rituelle Abläufe, Themengestaltung etc.), als auch zu nahezu übereinstimmenden Umgangsformen der Schüler untereinander. Diese homogene Zusammensetzung erleichterte auch uns den altersadäquaten Umgang mit der Schülergruppe.
Oft zeigte es sich im Verlauf der SV- Sitzungen, dass es gar nicht möglich war, alle anstehenden TOPs in der notwendigen Ausführlichkeit zu besprechen. Dies führte, gerade bei Wegfall ganzer Besprechungspunkte, bei manchen Schülern zu Frustrationen. Um dies zu vermeiden sollte zukünftig im Austausch mit den SV- Mitgliedern eine realistischere und genauere zeitliche Planung der Sitzungen stattfinden.
BUNDESVEREINIGUNG LEBENSHILFE FÜR MENSCHEN MIT GEISTIGER BEHINDERUNG e.V.(1997)
Selbstbestimmung- Kongressbeiträge, (2. Auflage)
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Menschen mit Behinderung zwischen Ausschluss und Anerkennung
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Unverzichtbare Grundlagen und Formen der gemeinsamen Erziehung behinderter und nichtbehinderter Kinder in Kindergarten und Schule
In: BEHINDERTENPÄDAGOGIK, 25. Jg. ,H. 2/1986
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Ich habe mich entschlossen, nicht hinzugehen
In: BEHINDERTENPÄDAGOGIK, 25. Jg., H. 1 /1986
http://www2.uibk.ac.at/bidok/library/selbstbestimmt/feuser-normalisierung.html
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"Die Würde des Menschen ist antastbar"
Vortrag anlässlich der 10-Jahresfeier der Arbeitsgemeinschaft Integration in Heidenheim
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Die Zukunft der Menschenrechte
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Selbstbestimmung im Leben, auch für Menschen mit geistiger Behinderung
In: Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. (1998): Mehr Selbstbestimmung. Wie geht es weiter nach dem Duisburg- Kongreß?
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Vom Betreuer zum Begleiter. Eine Neuorientierung unter dem Paradigma der Selbstbestimmung
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Eine Zusammenfassung der Inhalte meines Buches
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Mehr Selbstbestimmung für Menschen mit geistiger Behinderung
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Empowerment und Heilpädagogik.
Ein Lehrbuch.
THEUNISSEN, G. (1999)
Wege aus der Hospitalisierung
Empowerment in der Arbeit mit schwerstbehinderten Menschen
THEUNISSEN, G. (2002)
Inclusion - Partizipation - Empowerment
Leitbegriffe für eine Praxis des Miteinander
Vortrag im Rahmen der Fachmesse Integra
http://www.das-dorf.at/integra/bildung/referenten/manuskripte/georg_theunissen.doc
THEUNISSEN, G.
PLAUTE, W. (2002)
Handbuch
Empowerment und Heilpädagogik
[1] Aus Gründen der Lesbarkeit werde ich abstrakte Pluralbildungen im männlichen Modus gebrauchen. Für die rein numerische Pluralbildung wird wie üblich „die“ verwendet- z.B. der Mann, die Männer.
1 Empowerment = Ansatz mit dem zentralen Punkt, für und mit Menschen in marginalen Positionen Selbstbestimmungsfähigkeiten , Kontrolle und Verfügung über die eigenen Lebensumstände zu entwickeln.
[2] Eines der erklärten Ziele von People First ist, nicht „geistig behindert“ genannt zu werden. Zu dieser Forderung passt folgender Textauszug von Georg Feuser: „Beeinträchtigungen des Menschen auf biologischer, organischer oder psychischer Ebene sind nicht sein ‚Wesen’ noch definieren sie den Prozess seiner Entwicklung. Sie sind Bedingungen seiner Existenz und damit der Entfaltung seiner Lebens-, Lern- und Entwicklungsprozesse. Behinderung entsteht erst, wenn das Vorliegen dieser Bedingungen gesellschaftlich mit sozialem Ausschluss und Besonderung des betroffenen Menschen beantwortet werden. Behinderung ist letztlich Ausdruck unserer Art des Umgangs mit Menschen, die wir als behindert bezeichnen“ (vgl. G. Feuser 1986, S.127)
In Ermangelung eines sinnvollen, der inhaltlichen, sozialen und politischen Dimension gerecht werdenden Begriffes werde ich in dieser Arbeit grundsätzlich das Wort „Mensch“ voransetzen und den Terminus der „geistigen Behinderung“ in Anführungsstriche.
[3] Der „Entscheidungsständer“ ist eine Holzkonstruktion, auf die gelochte Holzklötzchen als „Wahlstimme“ gesteckt werden können. Er dient im Unterricht für Abstimmungen.
2 Das Mitteilungsheft ist ein Schreibheft, das die Schüler täglich mit in die Schule bringen und das dem Zwecke des täglichen schriftlichen Informationsaustausches zwischen Lehrpersonen und Eltern dient.
[4] Im Vergleich zu dem üblichen Begriff „Schwerstmehrfachbehinderung“ halte ich die Bezeichnung „umfassende Behinderung“ für wertfreier und treffender.